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"In der Dichte der Nacht"

Porträt: Die Künstlerin Sylvia Weller lebt und arbeitet seit einigen Jahren in Modautal-Ernsthofen

MODAUTAL. Durch den Garten führt der Weg ins lichtdurchflutete Atelier der Malerin Sylvia Violetta Weller, die seit einigen Jahren mit ihrem schriftstellerisch tätigen Lebenspartner in Ernsthofen wohnt. Es ist ein Ort, der mich zurück zu den Wurzeln führt. Mein Großvater ist im Odenwald geboren und ich habe als Kind oft die Sommerferien hier verlebt , erzählt die Künstlerin. Unter kleinen Deckenlampen steht der große Arbeitstisch, bedeckt mit Skizzen zu den Aquarellen ihrer Landschaftsmalerei.

Zunächst fotografiere ich draußen oder mache eine Zeichnung vor Ort, am Arbeitstisch wende ich dann Techniken an, um die Natur mit Leben zu füllen , erklärt die gebürtige Darmstädterin. Ganz in schwarz ist die Künstlerin gekleidet, spirituelle Musik füllt den Raum, der sich an das Wohnhaus anschliext. Mit Vorliebe nachts arbeitet Weller an ihren groxformatigen Acrylbildern, die aus der Inspiration des Augenblicks entstehen. Hierbei arbeite ich intuitiv, genieße die Dichte der Nacht, bin in Bewegung und trage die Farbe mit einem Spachtel auf die Leinwände , erzählt sie mit versonnenem Lächeln.

Erst nachdem sie die Arbeiten mit Abstand betrachtet hat, erschließt sich aus der farblichen Fülle das Thema. Manchmal sind es ausdrucksstarke Gesichter, oft leiderfüllt, fragend und suchend, aber auch südliche Landschaften entstehen, die aus der Erinnerung hervortreten. Ich habe lange in Saudi-Arabien gelebt, im Tessin, und neun Jahre hatte ich mein Domizil in der Bretagne , sagt Weller. Neben der Technik der Bildgestaltung sind es Freiheit und Fantasie, die für sie im Zentrum stehen.

Rundum ist das Atelier mit Leinwänden gefüllt, aus denen Stationen ihres Lebens sprechen. Heute ist Weller 59 Jahre alt, eine eigenwillige Frau, die keiner Künstlergemeinschaft angehört, sondern den Begriff der freien Malerin  wörtlich nimmt: Ich gehöre nicht zu den Malern, die ein Leben lang grüne Kaninchen malen. Jedes Bild ist eine freie Entscheidung des Augenblicks.  Große Ausstellungen ihrer Arbeiten gab es in Düsseldorf, Troisdorf und Kassel, auch in Saudi-Arabien waren ihre Werke zu sehen: In Riad gestaltete ich eine Wand von drei mal vier Metern mit einer deutschen Eiche.

Die auf Leinwand gebannte Mystik des für sie geheimnisvollen Odin-Waldes  können Besucher derzeit im Rathaus von Brandau genießen. Eine Wanderung durch Zeiten und Räume  lautet der Titel der 34 Bilder umfassenden Installation, die sowohl frühe Werke der arabischen Zeit als auch neue Aquarelle aus dem Odenwald umfasst. Ich freue mich sehr über diese Ausstellung, wie ich überhaupt im Modautal große Toleranz erfahre. Man nimmt mich mit wuscheligem Haar und ungebügeltem Wesen  ich bin halt die Künstlerin , sagt Weller lächelnd.

Den Austausch mit anderen Kunstformen und Menschen empfindet sie als inspirierend. So gab es 1999 bis 2002 ein Projekt mit dem Musiker Holger Mantei, bei dem sie Tonschwingungen farblich auf der Leinwand umsetzte. Aber auch das Projekt Linde kreativ  2004 im Jugenheimer Seniorenheim ist ihr unvergessen. Auch im Alter wohnen erstaunliche kreative Kräfte in uns , weist Weller auf Fotografien der dort entstandenen Arbeiten. Überhaupt haben Kinder und Erwachsene einen festen Platz in ihren Kursen zur Vermittlung ganzheitlicher Malerei, die vor allem Freude bereiten soll.

Darmstädter Echo, März 2008